angebrücke in Obermeilen

 

Grössenwahnsinnig hätte man die Idee der WAVO vielleicht genannt, wäre die Brücke über dem Beugenbach nicht gebaut worden. Nach der Eröffnung im Sommer 2012 wird wohl eher von Visionären gesprochen, die mit ihrer Idee nicht nur zwei Quartiere schlagartig näher rücken liessen, sondern Obermeilen auch um eine Attraktion reicher machten.

Bereits im Gründungsjahr der WAVO 1960 gab es Pläne für das Beugenbachtobel, das zwischen den Quartieren Just/Halten und Appenhalten liegt. Dazumal war es der Verkehrs- und Verschönerungsverein Meilen (VVM), der die Idee aufbrachte, das Tobel durch einen Wanderweg wieder begehbar zu machen. Doch das Projekt scheiterte am Kauf einer benötigten Parzelle und auch nach einer erneuten schriftlichen Mitteilung an den Gemeinderat im Jahr 2004 blieb der Weg eine Idee und das Beugenbachtobel eine verwunschene Schlucht, in die sich nur abenteuerlustige Kinder wagten. Doch nicht nur ein Weg, der vom Schulhaus Obermeilen den direkten Zugang zum Vitaparcours ermöglicht hätte, wäre praktisch gewesen. Auch musste man wegen des trennenden Bachs von der Appenhalten aus stets einen Umweg machen, wenn man in die Sportanlage Allmend wollte.

Also wagte sich zu ihrem 50-jährigen Bestehen auch die WAVO ans verlassene Beugenbachtobel. Allerdings nicht zur Verwirklichung des lange geplanten Wegs, sondern um mit einer Brücke eine Verbindung zwischen den beiden Bachufern zu schaffen. Doch eine einfache Brücke über den Bach war der WAVO nicht genug. Wenn schon, dann sollte es etwas Spezielles sein zum Jubiläum.

 

Ein Geschenk mit Erwartungen

Im Juni 2010 konnte Alain Chervet mit dem Churer Ingenieur Hans Pfaffen einen Spezialisten für Hängebrücken, wie sie der WAVO vorschwebte, für das Projekt engagieren. Nach einem Besuch im Beugenbachtobel war Pfaffen sofort bereit, für die WAVO einen Brückenplan zu entwerfen. Als Gemeinderat Rolf Walther und WAVO-Präsident Alain Chervet die Idee kurz darauf in den Medien publik machten, habe er den Zeitungsartikel für die Fasnachtszeitung aufbewahren wollen, scherzt Gemeindepräsident Christoph Hiller. Doch schon bald nahm die Idee Gestalt an und so wurde der Gemeinde Meilen im Dezember 2010 der fertige Projektplan als Geschenk überreicht. Für dieses Geschenk, das die WAVO auch als eigenes Geburtstagsgeschenk zum 50-jährigen Bestehen sah, musste die Wachtvereinigung tief in die eigene Kasse greifen: ein Kostenanteil von 12'000 Franken für die Projektierung der Hängeseilbrücke über den Beugenbach - ein Geschenk, das die Gemeinde Meilen auch etwas unter Druck setzte. Ein wichtiges Mosaiksteinchen, das Einzeichnen des Weges, das behördenverbindlich war, wurde auf Veranlassung von Rolf Walther bereits im Rahmen der Verkehrsrichtplanung 2007 gesetzt, und so stand dem Bau der Brücke in dieser Hinsicht nichts mehr im Weg.

Der Kredit über 378'000 Franken für den Bau der Brücke und den Landerwerb wurde an der Gemeindeversammlung vom 5. Dezember 2011 schliesslich mit grosser Mehrheit gutgeheissen. Und von diesem Moment an ging alles Schlag auf Schlag bis zur Einweihung der Brücke am 18. Juni 2012, die sogar früher als ursprünglich geplant stattfinden konnte.

Auch Brückenbauer Pfaffen bezeichnet die Zusammenarbeit mit WAVO, Gemeinde und Bauarbeiter als ungewöhnlich gut: „Man hat gemerkt, dass alle mit gewaltiger Freude an diesem Projekt gearbeitet haben. Wir haben wirklich alle am gleichen Strick gezogen.

Zur Eröffnungsfeier am 18. Juni 2012 kamen weit über 500 Neugierige, die endlich über die spektakuläre Hängebrücke gehen wollten. Neben den obligaten Reden und einem speziell für Obermeilen komponierten Lied, das von zwei Schulklassen gesungen wurde, durften bei dieser Gelegenheit auch die Böllerschüsse aus der altehrwürdigen Hagel-Kanone nicht fehlen. Denn, wo etwas eingeweiht wird, da knallt es in Obermeilen. Ein Blick auf das Programm der Einweihung des Primarschulhauses Obermeilen von 1936 genügt, um zu sehen, dass diese Schüsse eine lange Tradition haben. Nur fielen die Böllerschüsse damals schon um 5.00 Uhr morgens, was heute kaum mehr denkbar wäre.


Auf die Frage, was denn an dieser Brücke das Besondere sei, gibt Pfaffen sofort Antwort: „Es ist konstruktiv die schönste Hängebrücke, die ich gebaut habe. Schauen Sie nur die Details an.“ Zu diesen Details gehört auch die LED-Beleuchtung, die jeweils mit der regulären Strassenbeleuchtung einsetzt und dem lange vergessenen Tobel einen zauberhaften Schimmer verleiht. Wer weiss, ob die etwas versteckte Brücke bald schon zu einem Wahrzeichen Obermeilens wird? Auf jeden Fall beweist sie, dass sich etwas tut im Quartier, dass neue Brücken geschlagen werden und die WAVO auch nach 50 Jahren nicht müde geworden ist.

Leicht gekürtzte Fassung des Artikels von Melanie Keim